Sucht als betriebliches Problem
Suchtmittel und deren Abhängigkeit wird immer häufiger zum betrieblichen Problem. Damit einher geht auch ein erhöhte Unfallrisiko und eine geringere Produktivität. Zwischen 10 - 25 % aller Deutschen sind zwischenzeitlich im Sinne der Definition süchtig. Damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass vermutlich jeder von uns mit mindestens einem Süchtigen zusammenarbeitet.
Immer mehr Verhaltensauffälligkeiten werden registriert, aber oft nicht effizient angegangen. Nicht immer sind dabei innerbetriebliche, radikale Lösungen (z.B. Kündigung) sinnvoll, vorab sollten alle Möglichkeiten einer effizienten Prophylaxe ausgereizt werden, z.B. Betriebsvereinbarung Alkohol, Suchtbeauftragter im Betrieb, Suchtberatung, Suchtseminare etc.
Sucht blüht im Verborgenen
Da Sucht mit Vorurteilen behaftet ist, schämen sich die Betroffenen häufig und sprechen nicht über Ihre Krankheit. Betroffene bleiben auch deshalb in der Anonymität, weil sie bei Aufdeckung befürchten, den Arbeitsplatz zu verlieren. Sie werden oft jahrelang nicht entdeckt.
Suchtkranke werden oft krankgeschrieben wegen
- Magenbeschwerden,
- Schmerzsyndromen oder
- Infekten
- sind oft unzuverlässiger
- erledigen ihre Arbeiten oft fehlerhaft und/oder gar nicht
- haben oft körperliche Unzulänglichkeiten und/oder allgemeine Befindlichkeitsstörungen wie Stress, Überarbeitung oder private Probleme.
- können oft nicht mit der Hilfe von Mitarbeitern oder Vorgesetzten rechnen, die bereits lange ahnen, dass der Kollege suchtkrank ist, da diese nicht wissen, wie sie mit dem Problem umgehen sollen.
- gefährden mit ihrer Sucht oft Kollegen oder gar Dritte (zum Beispiel bei Busfahrern oder Chirurgen).
Für Suchtkranke im betrieblichen Umfeld ist sicherlich
- der Betriebsarzt ein geeigneter Ansprechpartner. An ihn kann sich der Arbeitgeber (auffällig durch häufige Krankmeldungen) wenden. Der Fachmann muss sicher stellen, dass durch die Tätigkeit des Suchtkranken niemand gefährdet wird. Die ärztliche Schweigepflicht unterstützt in vielen Fällen ein ausgiebiges Gespräch mit dem Betroffenen. Der Arzt kann fachlich fundierten Rat geben, die notwendigen Schritte zur Therapie besprechen und bei Zustimmung einleiten.
- Die Kollegen können beim Betriebsarzt offen das beobachtete Problem ansprechen. Viele Suchtkranke sind erleichtert, endlich jemanden zu haben, dem sie sich anvertrauen können. Dabei ist aber wichtig, dass das Problem wertfrei besprochen werden kann. Tabu sind Vorwürfe und Vorhaltungen. Ein echtes Interesse und ein kollegialer Umgang mit dem Erkrankten ist oft der erste Weg raus aus dem Teufelskreis der versteckten Sucht und der erste Schritt in die richtige Richtung.
- Zudem bietet sich ein Vertrag mit einer externen Expertenorganisation an, wohin sich der Betroffene zur Beratung selber wenden kann, ohne Angst haben zu müssen identifiziert werden zu können (der Betrieb zahlt eine Beratungsgesamtpauschale pro Jahr)
Alkohol
Alkohol verursacht bedeutende volkswirtschaftliche Schäden, ca. 10% aller Deutschen trinken täglich am Arbeitsplatz und ein Viertel aller Arbeitsunfälle ist auf Alkoholproblematiken zurückzuführen.
Alkoholiker sind fast dreimal so oft krank wie ihre übrigen Kollegen. Damit einher gehen immense Kosten:
- jeder Alkoholiker verursacht betriebswirtschaftliche Kosten von über 10.000 EUR Jahr
- auf etwa 17 Milliarden € Schaden pro Jahr werden die Kosten für die Fehlzeiten von Alkoholkranken in Deutschland geschätzt.
Ein paar Fakten zum Thema Alkohol
Im Blut wird die Alkoholkonzentration in Promille gemessen. 1g Alkohol auf 1000ml Blut wird als 1 Promille bezeichnet.
Blutalkoholgehalt und welche möglichen körperlichen Symptome
- 0,3 Promille treten bereits Gangstörungen auf
- 0,5 Promille ist die Grenze der Verkehrstüchtigkeit erreicht
- 1,4 Promille die Grenze der Unzurechnungsfähigkeit
- 4-5 Promille kann der Tod durch Kreislaufversagen eintreten.
Von Alkoholismus spricht man,
- wenn jemand länger als ein Jahr große Mengen Alkohol konsumiert,
- die Kontrolle über den Alkoholkonsum verloren hat und
- dadurch körperlich, psychisch und sozial geschädigt wird.
Mögliche körperliche Langzeitfolgen
- Körperliche Schäden können z. B. Magen-, Darm-, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Leberzirrhose, Nervenentzündungen, Blutbildveränderungen, Augenerkrankungen, Zittern, Schlafstörungen und Impotenz sein.
Mögliche psychische Symptome
- Wesensveränderungen, Psychosen und Halluzinationen.
Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum
- Bei zu schnellem Verzehr entsteht rasch eine zu hohe Alkoholkonzentration im Blut, die über die Leber nicht mehr ausreichend zu Essigsäure abgebaut werden kann.
- Viele überschätzen die Abbaugeschwindigkeit im Körper. Eine Faustregel besagt, dass pro Stunde pro Kilogramm Körpergewicht beim Mann nur 0,1g Alkohol und bei der Frau nochmals etwa 15% weniger abgebaut werden.
- Wie fast jeder schon einmal erfahren hat, wirkt der Alkohol noch schneller, wenn er auf leere Magen eingenommen wird. Die Aufnahme des Alkohols in den Blutkreislauf wird in Kombination mit Kaffee nochmals beschleunigt.
- Fetthaltige Speisen verlangsamen dagegen den Anstieg des Blutalkohols.
- Beim Trinken von gesüßten alkoholischen Getränken, z. B. Cocktails oder Glühwein beschleunigt Zucker die Aufnahme des Alkohols in die Blutbahn.
- Trinken verschiedener Alkoholsorten führt schneller zu einem Rausch.
- Von minderwertigen Alkoholika bekommt man leichter Kopfschmerzen, nicht unbedingt aufgrund des Alkohols, sondern wegen der Zusatzstoffe.
Nicht nur die Menge macht's sondern auch der Alkoholanteil
- Bier hat etwa 2 - 6%
- Wein und Sekt 7 -10%
- Südwein 15 - 17%
- Liköre 30 - 35%
- Schnäpse ca. 45%
- Rum 40 - 80%.
Was tun bei massivem "Kater"?
- Alkohol meiden!
- Viel Antihalkoholisches trinken - so früh wie möglich!
- Kalt-Warm-Duschen und viel frische Luft bringen den Kreislauf in Schwung!
- Hohe Temperaturen und starke körperliche Anstrengung vermeiden!
- Leichte Schmerzmittel bei Kopfschmerzen!
- Leichte Medikamente bei Magenbeschwerden durch einen übersäuertem Magen!
- Stellt sich Hunger ein, dann nur leicht bekömmliche Mahlzeiten einnehmen!
Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?
- Bei einer akuten Alkoholvergiftung.
- Falls Sie das Gefühl haben, dass Sie den Alkoholkonsum nicht mehr im Griff haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen.
Wann sollte man Alkohol meiden?
- Alkohol sollte in der Schwangerschaft gemieden werden, da ein hohes Risiko für ein vermindertes Geburtsgewicht und Missbildungen des Babys gegeben sind.
- Auch sollte man Alkohol in Verbindung mit Psychopharmaka, Schlafmitteln oder/und starken Schmerzmitteln meiden, um keine veränderte Wirkungen der Arzneimittel oder auch Vergiftungserscheinungen zu provozieren.
Aufputschmittel (Stimulans)
Aufputschmittel sind Substanzen die anregend auf den Organismus wirken. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) definiert Aufputschmittel als Substanzen, die die Aktivität der Nerven erhöhen, beschleunigen oder verbessern. Letztlich sind Aufputschmittel auch Drogen, die auf den menschlichen Organismus eine anregende Wirkung ausüben.
Typische Aufputschmittel sind u. a.
- Koffein
- Kokain
- Nikotin
- Amphetamine
Die meisten Aufputschmittel führen bei regelmäßigen Konsum zur Abhängigkeit. Überdosierungen von Aufputschmittel können zu ungewünschten körperlichen Reaktionen führen wie
- Bluthochdruck, Herzrasen,
- Pupillenerweiterung,
- Schweißausbrüchen
- Übelkeit
Psychische Symptome können sein
- Erregtheit,
- Aggressivität,
- Selbstüberschätzung
- Schlaflosigkeit
- Bei Kokain und Amphetaminen ist auch der Ausbruch von Psychosen möglich.
Rauchen
Testen Sie Ihre Nikotinabhängigkeit zum Beispiel hier.
Gefahren des Rauchens
Rauchen ist extrem gesundheitsschädlich! Jährlich sterben in Deutschland bis zu 140.000 Menschen an Krebs, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen, die auf das Rauchen zurückzuführen sind. Arteriosklerose ("Arterienverkalkung"), Durchblutungsstörungen, Thrombosen (Blutgerinnsel), Herzinfarkte, Schlaganfälle, "Raucherbeine" und Potenzstörungen sind nur einige Folgen des Rauchens.
Rauchen ist ein Hauptrisikofaktor für Krebs. Die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken, nimmt mit der täglich gerauchten Zigarettenmenge, der Inhalationstiefe, dem Teergehalt der Zigarettensorte und den Raucherjahren zu. Neben Lungenkrebs führt Tabakkonsum auch zu bösartigen Tumoren, der so genannten Rauchstraße (Mundhöhle, Kehlkopf, Luftröhre und Speiseröhre bis zum Magen). Darüber hinaus spielt Rauchen eine Rolle bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Harnblasenkrebs, Nierenkrebs sowie Leukämie.
Für Frauen ist Rauchen ein besonderer Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs. Bei werdenden Müttern ist bewiesen, dass Zigarettenrauchen zu erhöhtem Auftreten von Fehl- und Frühgeburten führt. Trotzdem raucht in Deutschland jede dritte Schwangere, in den USA sogar jede zweite.
Passivrauchen und Gesundheitsschäden
Passivrauchen kann akute und chronische Gesundheitsschäden auslösen. Diese Schäden sind denen der Raucher ähnlich, doch in eher geringerem Ausmaß. Dennoch ist z.B. das Lungenkrebsrisiko eines Passivrauchers um ca. 30 % höher als das eines Nichtrauchers, der dem Zigarettenqualm nicht ausgeliefert ist.
Gesundheitsrisiken des Passivrauchens (Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum 2003) sind
- Asthma (Entstehung und Verschlimmerung)
- Lungenentzündung (Entstehung und Verschlimmerung)
- Bronchitis (Entstehung und Verschlimmerung)
- Atembeschwerden (allgemein)
- akute oder chronische Koronarerkrankungen
- Mittelohrentzündungen bei Kindern
- Lungenkrebsrisiko erhöht
- Herzinfarktrisiko erhöht
- Schlaganfallrisiko erhöht


